Die deutsche Musikszene mischt sich vermehrt in die Politik und damit in die brandheiße Diskussion über die europäische Flüchtlingspolitik ein. Die Sängerin Sarah Lesch ist eine der mutigen Liedermacher, die ihre Musik genau für diese Zwecke nutzt. Sie tritt in ihrem neu aufgenommenen Song „Der Kapitän“ als Sprachrohr für die Flüchtlingshilfe ein.

Solidarität mit dem Flüchtlingshelfer Claus-Peter Reisch

Gegen den deutschen Flüchtlingshelfer und Kapitän Claus-Peter Reisch vom Rettungsschiff „Lifeline“ läuft derzeit ein Verfahren in Malta, da er Anweisungen nicht befolgt und gegen internationales Recht verstoßen haben soll. Er war an einer Rettungsaktion vor der Küste Libyens beteiligt. Dort verweilte er zusammen mit 234 geretteten Flüchtlingen tagelang auf seinem Schiff im Mittelmeer. Weder Malta noch Italien wollten einen Hafen zur Rettung der Geflüchteten öffnen. Nach knapp einer Woche gab Malta dem Druck nach und das Schiff konnte endlich anlegen. Doch die Polizei beschlagnahmte das Schiff umgehend und leitete ein Verfahren gegen den Kapitän ein.

Neuaufnahme von „Der Kapitän“

Diese Aktion entsetzte die Sängerin Sarah Lesch aus Leipzig dermaßen, dass sie beschloss, ihren Song „Der Kapitän“ aus dem Jahr 2004 neu aufzunehmen. Sie veröffentlichte darüber hinaus ein Statement, um ihrem Unmut über die Aktion zum Ausdruck zu bringen. Für die Sängerin ist es unbegreiflich, dass Menschen, die andere retten und anderen helfen möchten, verklagt werden. Die Neuauflage des Videos erreichte innerhalb weniger Tage mehrere hunderttausend Klicks. „Der Kapitän“ war der erste Song, den sie schrieb. Er handelt von genau der gleichen Geschichte, die der Flüchtlingshelfer Claus-Peter Reisch derzeit erlebt. Damals war es ihr Schwiegervater Stefan Schmid, den die italienischen Behörden 2004 als Schleuser verklagten. Sie warfen ihm vor, dass er vor der Insel Lampedusa 37 Personen aus Seenot gerettet hatte. Das Verfahren dauerte fünf Jahre.

Die Neuaufnahme des Songs ist ein vorbildliches Zeichen der Sängerin, für Solidarität und Menschlichkeit einzustehen. Wie die Geschichte zeigt, benötigen wir knapp 15 Jahre später mehr davon als je zuvor.